Ganz offen gesagt

#19 2026 SPEZIAL Was lernen wir durch Trump? - Teil 1

Episode Summary

In dieser Live-Folge aus der "Kulisse Wien" diskutiert Michel Reimon mit Gabriela Greilinger, Olivia Janisch und Luis Paulitsch, wie Donald Trump die US‑Demokratie, Medienlandschaft und politische Kultur verändert hat und warum er trotz Putschversuch und Krisen weiter so viel Rückhalt hat. Die Runde analysiert, wie rechtsextreme und autoritäre Bewegungen Medien, Social Media und Gefühle von Ohnmacht und Statusangst nutzen – und was das für Österreich bedeutet. Am Ende steht die Frage, wie demokratische Kräfte hierzulande strategisch, konfliktbereit und langfristig auf diese Herausforderungen reagieren können.

Episode Notes

In dieser „Ganz offen gesagt“-Spezial-Ausgabe live aufgenommen in der "Kulisse Wien" spricht Host Michel Reimon mit der Politikwissenschaftlerin Gabriela Greilinger (University of Georgia), der Gewerkschafterin und ÖBB-Betriebsrätin Olivia Janisch sowie dem Medienforscher Luis Paulitsch über Donald Trump, seinen Angriff auf die Demokratie in den USA und die Lehren für Österreich. 

Ausgangspunkt ist die Frage, warum Trump trotz Sturm aufs Kapitol, außenpolitischer Irrationalität und schlechter Wirtschaftsdaten weiterhin breite Zustimmung erhält und 2024 wiedergewählt wurde. Greilinger erklärt anhand aktueller Forschung, welche Rolle Rassismus, Sexismus, Statusangst und die Normalisierung von Trump für das Wahlverhalten spielen – und warum viele Wähler nicht primär rational auf Daten, sondern auf Identität und Gefühle reagieren. 

Paulitsch beschreibt, wie eine fragmentierte Öffentlichkeit und „alternative“ bzw. rechtsextreme Medienprojekte, Fox News, Social Media und Slapp-Klagen dazu beitragen, dass rechtspopulistische und autoritäre Narrative dominieren und demokratische Gegenöffentlichkeiten geschwächt werden. 

Olivia Janisch schildert, wie autoritäre Politik in Betriebe und Arbeiterschaft hineinwirkt, warum Gewerkschaften und kollektive Organisation ein Gegenentwurf zu Ohnmacht und Vereinzelung sind und wie Arbeitskämpfe zunehmend delegitimiert oder bekämpft werden – bis hin zu Union Busting auch in Österreich. 

In der zweiten Hälfte diskutiert die Runde historische Parallelen zu den 1960er‑Jahren, die Rolle des Neoliberalismus, den Verlust von sozialen und demokratischen Räumen sowie die Frage, ob wir heute eher einen Konflikt „autoritäre vs. demokratische Politik“ als „rechts vs. links“ erleben. 

Die Gäste betonen, dass progressive und demokratische Kräfte wieder eigene positive Zukunftserzählungen, emotionale Angebote und niederschwellige Strukturen schaffen müssen – von neuen Medienformaten über solidarische Alltagsorganisation bis hin zu direkten Gesprächen in Betrieben. Beispiele aus den USA wie progressive Politiker:innen rund um AOC, neue Formen von Online‑Kampagnen sowie lokaler Widerstand gegen ICE zeigen, dass Gegenstrategien möglich sind, aber langfristige, geduldige Arbeit und Konfliktbereitschaft erfordern. 

Links zur Folge:

Olivia Janisch

Gabriela Greilinger 

Luis Paulitsch

Michel Reimon