Ganz offen gesagt

#37 2026 Über Macht, KI und Demokratie - mit Erich Prem

Episode Summary

Stefan Lassnig spricht mit dem Informatiker und Philosophen Erich Prem über den Digitalen Humanismus als Antwort auf eine von Tech-Konzernen dominierte, allgegenwärtig digitale Welt und ihre Risiken für Demokratie und Grundrechte. Sie diskutieren, wie digitale Technologien Macht verschieben, Privatsphäre und Autonomie bedrohen, aber gleichzeitig gestaltbar sind – von Social Media über Smart Homes und Elektroautos bis zu KI‑Systemen wie Chatbots. Im Zentrum steht die Frage, welche digitale Zukunft wir als Gesellschaft wollen und welche rechtlichen, politischen und bildungspolitischen Weichenstellungen es dafür braucht.

Episode Notes

In dieser Folge von „Ganz offen gesagt“ erläutert Erich Prem, warum der Digitale Humanismus als Bewegung den Menschen, seine Würde und die Demokratie ins Zentrum technologischer Entwicklung stellen will – und warum das eher posthumanistisch als technikfeindlich zu verstehen ist. Anhand konkreter Beispiele – vom simplen Online-Formular über Smart-Home-Lösungen und Elektroautos bis hin zu Social-Media-Plattformen und KI‑Systemen – zeigt er, wie Designentscheidungen Werte einschreiben, Macht konzentrieren und im Extremfall Leib, Leben und Freiheit gefährden können. Prem beschreibt, wie Plattformen durch Datensammlung, algorithmische Selektion und Intransparenz unsere Informationsräume fragmentieren, demokratische Öffentlichkeit unter Druck setzen und geopolitische Machtinstrumente werden. Ausgangspunkt der Diskussion sind die fünf Prinzipien des Digitalen Humanismus: Demokratie und Rechtsstaat schützen, Menschenwürde und Grundrechte sichern, gesellschaftliche Teilhabe fördern, verantwortliche Innovation und Regulierung gestalten sowie Bildung, Kritikfähigkeit und offene Kulturen stärken. Besonders ausführlich sprechen Lassnig und Prem darüber, wie Regulierung – etwa auf EU‑Ebene mit Instrumenten wie dem AI Act – Innovation nicht verhindern, sondern bei konsequenter Durchsetzung ein „Level playing field“ schaffen und digitale Souveränität Europas stärken kann. Im Bildungsbereich plädiert Prem dafür, KI als Chance und Risiko zugleich zu begreifen: Sie kann etwa das Sprachenlernen revolutionieren, birgt aber die Gefahr, dass grundlegende Fähigkeiten, Urteilsvermögen und Plausibilitätschecks verloren gehen, wenn man sich zu sehr auf Chatbots verlässt. Auf individueller Ebene rät er zu mehr Bewusstsein bei der Nutzung digitaler Dienste – etwa bei Datenfreigaben, Smart Devices und Gesundheits‑Apps – und warnt vor der leichtfertigen Abgabe von Autonomie an Systeme, die uns normierendes Verhalten aufzwingen. Politisch engagiert er sich u. a. über den Verein für Digitalen Humanismus, das EU‑Projekt EUDHIT, das open‑access Buch „Introduction to Digital Humanism“ und eine internationale Konferenz in Wien, um Debatte, Vernetzung und konkrete Handlungsvorschläge für eine menschengerechte digitale Zukunft voranzutreiben.

Links zur Folge:

Introduction to Digital Humanism

Digital Humanism Conference in Wien

Wiener Manifest für Digitalen Humanismus

EUDHIT (European Digital Humanism Initiative)

Podcastempfehlung der Woche:

Reclaim: Tic Tac Toe