Ganz offen gesagt

#43 2026 SPEZIAL Was lernen wir durch Trump? - Teil 3

Episode Summary

In dieser Spezial-Folge von „Ganz offen gesagt“ aus der Reihe "Was lernen wir durch Trump?" spricht Host Michel Reimon mit der Extremismusforscherin Julia Ebner und der Journalistin und Autorin Barbara Haas darüber, wie sich konservativ-reaktionäre Bewegungen aus den USA nach Europa verbreiten und insbesondere Frauen- und Männlichkeitsbilder politisch instrumentalisiert werden. Die drei diskutieren, wie Lifestyle-Inhalte von Treadwives, Christfluencer:innen und Mixed-Martial-Arts-Ästhetik zum Einfallstor für autoritäre Ideologien werden und welche Rolle Donald Trump und sein Umfeld dabei spielen. Zugleich geht es um die Frage, wie liberale Demokratien, Feminist:innen und Medien auf diese Entwicklung reagieren können, ohne eine weitere „verlorene Generation“ junger Männer an radikale Kräfte zu verlieren

Episode Notes

In dieser Spezial-Folge von „Ganz offen gesagt“ aus der Reihe "Was lernen wir durch Trump?" führt Host Michel Reimon durch ein Gespräch mit Julia Ebner und Barbara Haas über den Rechtsruck in den USA und seine Übertragung nach Europa, insbesondere über Netzwerke rund um Donald Trump, Peter Thiel und christlich-fundamentalistische Akteure. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass extrem konservative Narrative – von „Remigration“ über den „großen Austausch“ bis zu antifeministischen Familienbildern – aus Online-Randzonen in den gesellschaftlichen Mainstream wandern. Julia Ebner schildert, wie sie undercover in rechtsextremen und islamistischen Gruppen recherchiert hat und wie sehr Verschwörungsmythen inzwischen in hohe politische Ebenen vorgedrungen sind. Barbara Haas erklärt, wie Treadwives-Influencerinnen und konservative „Bullshit mit Blümchenkleid“-Ästhetik traditionelle Rollenbilder als persönlichen Lifestyle und vermeintliche Selbstermächtigung verkaufen, während sie politisch Frauenrechte unterminieren. Die Runde analysiert den Boom christlicher Influencer:innen im deutschsprachigen Raum, die Unterordnung der Frau als „gutes Christinnentum“ framen und von Social-Media-Algorithmen verstärkt werden, sowie die strategische Öffnung von FPÖ und AfD gegenüber religiöser Rhetorik. Ein zentrales Thema ist die Krise der Männlichkeit: von Luxmaxing, Fitnesskult und aggressiven Männlichkeitsmythen bis zur politischen Instrumentalisierung von Mixed Martial Arts und Käfigkämpfen im Umfeld von Donald Trump. Reimon, Ebner und Haas diskutieren, wie wahrgenommene Statusverluste, ökonomischer Druck, Krisenerfahrungen und KI-Angst junge Männer für autoritäre und misogyne Ideologien anfällig machen. Am Ende steht die Frage, was Europa von der Entwicklung in den USA lernen kann: etwa besser auf die Sorgen junger Männer zu reagieren, soziale Sicherungssysteme als demokratischen Schutzschild zu stärken und feministische, liberale Antworten schneller und attraktiver zu kommunizieren, bevor sich autoritäre Bewegungen verfestigen.

Links zur Folge:

Buch "Massenradikalisierung" von Julia Ebner (Suhrkamp)

Buch "Bullshit mit Blümchenkleid" von Barbara Haas (Ueberreuter)

Ganz offen gesagt #19 2026 Was lernen wir von Trump Teil 1

Ganz offen gesagt #40 2026 Was lernen wir von Trump Teil 2